
Regie: Jacqueline
Posing-Van Dyck
Dekoren: Christoph Rasche
Kostümer: Dagmar Weitze
Musikalesch Leedung: Roby Schiltz
Regieassistenz: Sarah Bettendorff
Technesch Koordinatioun: Romain Stammet
Tountechniker: Holger Stedem a Gunni Mahling
Mat: Christiane Rausch, Marco Lorenzini a Schüler aus
Primärschoulklassen, Jonker aus dem Institut St. François
Betzdorf, de Percussionnisten vum Ensemble Mariendall, dem
Ensemble Vocal Berdorf
Représentations
- Saison 2002/2003
Première de 26. Januar
2003 um 17.00 Auer - 27. Januar 2003, 10.00 an 14.00
Auer, Theater Esch
- 12., 13.
Februar 2003, 14.00 an 17.00 Auer, CAPe
- 4. Mée 2003,
17.00 Auer, 5. Mée 2003, 10.00 an 14.00 Auer, 6. Mée 2003,
14.00 Auer, Conservatoire vun der
Staat Lëtzebuerg
Eng Produktioun
Ensemble
Vocal Berdorf
A Coproduktioun
Théâtre National du
Luxembourg
Mat der Ennerstëtzung vun
100,7 Radio Socioculturelle
°
Revue de presse
"Dat ass bal net ze gleewen: En erwuessene Mann huet es op
eemol sat, en erwuessene Mann ze sinn, a wëllt onbedéngt e
Päiperlek ginn! Wien dat och schon eng Kéier wëlles hat,
weess genee: Näischt ass méi schwéier, wéi e
Päiperleksexamen ze packen! Do geet séier alles drënner an
driwwer, do muss ee sech fatzeg ustrengen, do komme Saachen
op een duer, déi ee sech am Dram net virgestallt hätt! Awer
eisen erwuessene Mann huet sech eben an de Kapp gesat, sou
séier wéi méiglech e Päiperlek ze ginn. Da verziele mer mol
seng Geschicht."
Guy Rewenig
Ballo Farfallo ass e kulturellen a pädagogeschen Projet:
niewend de professionnelle Museker, de Sänger a Solisten
man och Kanner mat. An hire respektive Schoule gi si op den
Optrëtt virbereet, solle vill erliewen beim Theaterspillen,
Sangen, Molen a Bastelen a firwat net och an ganz normale
Schoulfächer. Si schreiwen Geschichten an Gedichter iwwer
de Päiperlek - op italienesch "farfallo" - , kënne
Reportagen iwwer d'Opféierung schreiwen oder eng kleng
Fotosausstellung organiséieren. Mat Ballo Farfallo huet de
Guy Rewenig e witzegt a groteskt Wierk geschriwwen, daat
vum Jean-Marie Kieffer a Musek gesaat gouf.
°
Kritik:
(kulturissimo mensuel - Tageblatt Nr15 Februar 2003)
Ballo
Farfallo
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Guy
Wagner
Als
die Grossherzogin in den Escher Theatersaal eintrat,
begleitet von der Bürgermeisterin, klang ihr der wohl
lustigste „Wilhelmus“ entgegen, den man wohl je hören
wird…
Damit war der Ton gegeben: Despektierlichkeit vor dem
Respekt, und so lief denn auch auf der so richtig für
Kinderaugen eingerichteten Bühne von Christoph Rasche ein
Schau-Spiel ab, wie man es lebendiger, frischer,
natürlicher wohl nur selten erlebt hat. Wen wundert es
demnach, wenn die Kinder im Saal mitgingen,
Zwischenbemerkungen riefen, lautstark Kommentare machten,
begeistert zu den schmissigen Rhythmen mitklatschten. Das
war zuerst einmal möglich dank der hin- und mitreissenden
Musik.
Was Jean-Marie Kieffer an spritzigen Einfällen, an
rhythmischer Vielfalt, mit einer besonderen Affinität für
lateinamerikanische Tanzrhythmen, aber auch an
Differenzierung im Klanggefüge, an Gestaltung von
Spannungen und Dramatik durch Musik und Geräusch hier bot,
das war tatsächlich meisterhaft und wurde ebenso
meisterlich gespielt von den diskret im Hintergrund
wirkenden tollen Musikern: alles Individualisten, die es
aber fertig brachten, sich einzufügen als Teil eines
Superorchesters, das mit eben so viel Differenzierung,
Feingefühl und Spass musizierte.
Optimale Voraussetzungen
Die Urwald, Goethals, Ries, Birch, Osborne, Greisch, Jeitz,
Pierre, Hammes, Haas, Khmielevskoi, Schütz, Schlammes,
Dinev, Ginter, Kieffer, Wagner, für einmal vereint, – das
allein grenzt schon ans Magische.
Und wie das so ist, wenn es um Zauber geht, so gab es gar
viel auf der Bühne zu sehen: all diese Kinder als
Nachwuchsschmetterlinge in ihren schillernd grünen Kostümen
von Dagmar Weitze, und die ernsten Damen und Herren des
„Ensemble Vocal“ aus Berdorf, den eigentlichen Trägern des
Geschehens, mit ihren Blumenhüten, die für einmal höchst
vergnügt, sich köstlich amüsierten. Das war doch mal was
anderes, Ihr talentierten Damen und Herren, die ihr sonst
so ernst da steht, wenn es um die holde Kunst geht!
Das Vergnügen kannte tatsächlich keinen Stillstand, nur
nachdenkliche Augenblicke, die umso wirksamer waren. Und da
gab es noch den Maestro, Roby Schiltz, den eigentlichen
Initiator des Projektes, einen Vollblutmusiker, der mit
Einfühlsamkeit und pädagogischem Geschick das Geschehen auf
der Bühne zu dirigieren wusste, und es gab die Regisseurin
Jacqueline Posing, die so brillant die Fäden zog, dass man
sie nicht merkte, – höchstes Können!
Man merkte auch nicht, wie viel Arbeit hinter dieser
Gesamtleistung steht: Wie viele Lehrerinnen und Lehrer, wie
viele Eltern, wie viele Erwachsene in dieses Riesenprojekt
eingebunden sind, wie viel Ausdauer und Geduld es gekostet
hat, das Riesenpuzzle zusammenzustellen, man konnte es nur
erahnen, manchmal, wenn eine Nahtstelle sichtbar wurde,
wenn es eine kleine Verschiebung und ein unsicheres Hin und
Her gab, so wie der Puzzleleger eben ab und zu zögert, das
farbige Stück, das er zwischen den Fingern hält, in eine
Lücke einzupassen.
Schliesslich fügte sich dann doch alles wunderschön
zusammen zu einer Geschichte, wie eben nur Guy Rewenig sie
schreiben kann, mit seiner überquellenden Phantasie, seinem
Sinn fürs Absurde, für die Verfremdung, die Verzerrung, die
Zerrspiegelung. Gerade dies aber begeistert Kinder, da es
ihnen umso besser ermöglicht, an die Realität heranzugehen,
über sie nachzudenken und so besser mit ihr fertig zu
werden. Durch die einmalige Art, wie er mit Situationen,
Szenen, Sätzen und Wörtern zu jonglieren versteht, macht
Rewenig deutlich, wie ernst er seine kleinen Zuschauer
nimmt, und hinter allen clownesken Momenten, die manchmal
bis zum virtuosen Slapstick gingen, steckt tiefer Ernst.
Der lange Weg zur Freiheit
Der Autor hat es selbst im Gespräch, das wir in dieser
Nummer veröffentlichen, gesagt: „Wenn die Hauptfigur
unbedingt ein Schmetterling sein möchte, bedeutet dies
umgekehrt, dass sie sich unfrei fühlt, eingeklemmt,
eingesperrt in Zwänge, bodenverhaftet. Der Mann möchte
ausbrechen, und der Schmetterling ist für ihn das
(unerreichbare) Ideal. Der groteske Effekt des Stücks liegt
also im ständigen Kampf für mehr Unabhängigkeit, der immer
wieder mit Rückschlägen verbunden ist.“
Damit ist alles
ausgedrückt. Es geht um Freiheit, und der Weg dorthin, ist
mit so vielen Fallstricken belegt, dass der Kampf um diese
Freiheit ein ständiger ist.
Hier aber liegt der Augenblick im Stück, wo ein
gedanklicher Bruch zu erkennen ist, der nicht verkittet
ist. Kaum hat nämlich Herr Hot sein Ziel der Verwandlung
erreicht, so will er etwas anderes werden, was nicht nur
Frau Har seltsam vorkommt, sogar noch eigenartiger als sein
bisheriger Wunsch, das Schmetterlingsexamen zu bestehen.
Ist der „Neue“ dann mit den Nachwuchsschmetterlingen
zusammen, machen die ihm klar, dass er in ihrem
geschlossenen Milieu – Spiegelung des Milieus unseres
Unfrieden-Ministers – unerwünscht ist, wie ein
Kosovo-Albaner: „Géi dach bei déi aner, Kosovo-Albaner!
Awer fiirs du mat der Heibleifskärchen, kriss du ganz
geschwënn e giele Stärchen!“
Das ist ein eindringliches Plädoyer, das seine Wirkung
nicht verfehlte, so wenig übrigens wie die anderen
herrlichen Songs. Man müsste sie eigentlich alle aufzählen,
aber „Déi schlëmm Geschicht vum Jérémie“, der
„Internet-Song“, und vor allem noch „Dem Nick säi Papp ass
ganz erschlon“, brillant vorgetragen vom Komponisten und
Sohn Sébastien, sind so eingängig, dass sie in jedes
Kinderliederbuch gehören, und zwar, avec effet immédiat!
Aber was wäre die ganze Pracht der Vorstellung gewesen,
ohne die beiden Hauptfiguren, die „hot und har“ zogen.
Wundervoll natürlich und gleichzeitig das Clowneske
grandios verwirklichend, verkörperte der hünenhafte Marco
Lorenzini, den Mann, der ein „Päiperlek“ sein möchte, und
das Wort nicht einmal schafft: „Päipolack a Papperluck?
Pimpampull a Pompelpuck? Poppileck a Plemperplemm a
Poppopock?“ Aber gerade weil er so schlaksig ist, nimmt man
ihm seinen Wunschtraum ab!
Nur: die Leichtkeit des Seins ist eben unerträglich, wie
auch seine bessere Hälfte weiß, für die er doch der liebste
„Päiperlek“ ist. Christiane Rausch, spielt diese Rolle so
warm, so einfühlsam, so differenziert, und steigt noch in
unzählige andere Rollen hinein, dass man aus dem Staunen
nicht herauskommt: Verblüffend, in der Tat! Wir haben die
beiden Schauspieler schon in vielen Rollen erlebt, und
konnten wiederum nur staunen, wie wandlungsfähig, wie
nuancenreich und gleichzeitig unbeschwert natürlich sie
diese doch sehr vielseitigen und zwiespältigen Figuren
gestalteten, sodass jeder seine helle Freude daran hatte.
Wenn demnach Theater so viel Freude bietet und auch
vermittelt, kann man all denen, die an einer solchen
Leistung mitgewirkt haben nur noch sagen:
„Villmols merci!“
°
Kontakt:
robert.schiltz@education.lu